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Dr. Nicolas Gumpert

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Ziehen in der Leiste

Dieser Artikel wurde durch Dr. Nicolas Gumpert veröffentlicht.
Dr. Nicolas Gumpert ist Facharzt für Orthopädie ist regelmäßig als Gast im Hessischen Rundfunk eingeladen.
Daneben steht er vielen Printmedien wie Welt, Sportbild, DPA regelmäßig als Interviewpartner zu Verfügung.
Weiterhin betreibt er mit Dr-Gumpert.de ein Informationsportal für laienverständliche Medizin mit mehr als 100 Millionen Seitenabrufen pro Jahr.

Definition - Was ist ein Ziehen in der Leiste?

Die Leiste ist der seitliche, untere Bereich unserer Bauchwand und reicht von der Bauchmuskulatur bis in den Schambereich. Durch die Leisten verläuft beidseitig der sogenannte Leistenkanal, eine anatomische Bahn mit Nerven und Gefäßen. Ein Ziehen in der Leiste ist ein sehr unangenehmes Symptom, das die betroffenen sehr belasten kann. Allgemein sind Männer häufiger von einem Ziehen in der Leiste betroffen als Frauen. Das Symptom kann durch verschiedene Erkrankungen bedingt sein und erfordert eine ärztliche Abklärung.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für ein Ziehen in der Leiste. Eine häufige Ursache sind Leistenbrüche, insbesondere bei Männern. Daneben kommt es oft durch Muskel- und Sehnenverletzungen zu einem Ziehen in der Leiste. Ein Beispiel dafür ist eine Adduktorenzerrung zum Beispiel durch plötzliches Grätschen während eines Fußballspiels. Außerdem kommen Reizungen und Verletzungen von Nerven als Ursache für ein Ziehen in der Leiste in Betracht. Auch Gelenkerkrankungen können Leistenschmerzen und -ziehen hervorrufen. Eine Hüftarthrose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild bei Menschen über sechzig und kann das Symptom ebenfalls bedingen. Gelegentlich wird ein Ziehen in der Leiste außerdem durch stark angeschwollene Lymphknoten verursacht. Diese können im Rahmen einer Infektion anschwellen und schmerzhaft sein. Weitere mögliche Ursachen sind beim Mann eine Nebenhoden- und Prostataentzündung sowie Erkrankungen von Eierstöcken und Gebärmutter bei der Frau. Auch Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege, zum Beispiel Harnsteinleiden, können ein Ziehen in der Leiste hervorrufen. Seltener liegt die Ursache von einem Ziehen in der Leiste in einer Fehlhaltung mit Hohlkreuz. Dadurch kippt das Becken nach vorne und neben Rückenschmerzen kann es zu einem Ziehen in der Leiste kommen.

Hüftarthrose

Eine Arthrose im Hüftgelenk beginnt oftmals schleichend. Neben Anlaufschmerzen, Schmerzen im Hüftgelenk während Belastung sowie nach intensiver Belastung können Leistenschmerzen auf eine Arthrose hinweisen. Das Ziehen und die Schmerzen in der Leiste können über den Oberschenkel bis ins Knie ausstrahlen. Bei entsprechenden Symptomen sollte eine Diagnostik auf Arthrose erfolgen. Die Erkrankung verläuft chronisch-progredient und im späten Krankheitsverlauf ist eine operative Behandlung mit einem Gelenkersatz zu erwägen.

Leistenbruch

Ein Leistenbruch, Hernia inguinalis, entsteht aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Schwachstelle in der Bauchwand. Dabei treten Schichten der Bauchwand und Eingeweide durch den Leistenkanal hindurch. Man sieht typischerweise eine tastbare Beule, die nach innen wegdrückbar ist. Starke Druckbelastungen wie das Heben schwerer Gewichte, Pressen beim Stuhlgang oder eine Gewebeschwäche begünstigen die Ausbildung einer sogenannten Hernie. Ziehen und Schmerzen in der Leiste sind charakteristische Symptome eines Leistenbruchs. Die meisten Leistenbrüche sind harmlos. Jedoch besteht jederzeit die Gefahr einer Einklemmung von Darminhalt. Das kann zu einem Darmverschluss und einer lebensbedrohlichen Entzündung des Bauchfells führen. Deshalb sollte man bei Verdacht auf einen Leistenbruch den Hausarzt aufsuchen und sich untersuchen lassen.

Adduktorenzerrung

Die Adduktoren bezeichnen eine Gruppe von Muskeln in der Oberschenkelinnenseite. Wenn die Sehnen dieser Muskeln gezerrt werden spricht man von einer Adduktorenzerrung. Die Adduktoren werden gezerrt, wenn eine plötzliche Abduktion, also eine Abspreizung, im Hüftgelenk eintritt. Ein typisches Beispiel ist eine heftige Grätschbewegung beim Fußballspielen. Symptome einer Adduktorenzerrung sind ein Ziehen und Schmerzen in der Leiste, in der Regel bei Belastung, sowie Schmerzen bei Adduktion und Abduktion.

Lymphknotenentzündung

Unsere Lymphknoten dienen der Abwehr von Krankheitserregern und von den Lymphknoten gibt es einige in der Leiste. Bei Infektionen können die Lymphknoten anschwellen und Symptome wie Ziehen und Schmerzen in der Leiste verursachen. Die Ursachen reichen von Hals- und Ohrenentzündung über Pfeiffer-Drüsenfieber zu sexuell übertragbaren Krankheiten wie Syphilis. Meistens ist die Ursache harmlos und heilt innerhalb weniger Tage ab. Nichtsdestotrotz sollte man bei stark geschwollenen Lymphknoten in der Leiste zügig zum Hausarzt gehen und die Ursache abklären lassen.

Weitere begleitende Symptome

Ein Ziehen in der Leiste kann mit verschiedenen Begleitsymptomen auftreten, abhängig von der Ursache des Ziehens. Bei der Arthrose des Hüftgelenks können in frühen Stadien bereits Schmerzen in der Leiste und am seitlichen, äußeren, oberen Oberschenkel (im Bereich des Trochanter majors) auftreten. Die Betroffenen haben typischerweise stärkere Symptome, wenn sie das betroffene Beinen innenwärts eindrehen. Mit dem zunehmenden Krankheitsverlauf wird außerdem die Drehung des Beines nach außen schmerzhaft. Charakteristisch für die Hüftarthrose ist zudem ein Anlaufschmerz, das heißt bei dem Beginn des Gehens nach längerem Sitzen oder Liegen. Ein Leistenbruch wiederum, der häufig bei Männern vorkommt, umfasst in den meisten Fällen ein Ziehen oder Druckgefühl in der Leiste. Gelegentlich leiden die Betroffenen unter Schmerzen in der Leiste und/oder im Unterbauch und unter einer Art Fremdkörpergefühl in der Leistenregion. Ist eine Adduktorenzerrung die Ursache eines Ziehens in der Leiste, sind typische Begleitsymptome Schmerzen bei Adduktion der Beine gegen Widerstand, das heißt bei einer seitlichen Heranführung der Oberschenkelinnenseiten in Richtung Mitte. Auch das Abspreizen der Beine zur Seite kann schmerzhaft sein und eingeschränkt sein. Darüber hinaus kann auch eine Lymphknotenentzündung hinter dem Ziehen in der Leiste stecken. Diese kann durch zahlreiche verschiedene Ursachen bedingt sein und unterschiedliche begleitende Beschwerden hervorrufen, wie Halsschmerzen, Fieber oder sogar Geschwüre im Genitalbereich (Syphilis). Das weitere Spektrum möglicher Begleitsymptome eines Ziehens in der Leiste veranschaulicht, wie viele Ursachen und Befundkonstellationen vorkommen können.

Rückenschmerzen

Treten die Symptome Rückenschmerzen und ein Ziehen in der Leiste gemeinsam auf, können unter anderem eine chronische Fehlhaltung oder ein Bandscheibenvorfall den Beschwerden zugrunde liegen. Eine dauerhafte Fehlhaltung mit Hohlkreuz kann kompensatorisches ein Vorkippen des Beckens bedingen. Das kann Schmerzen in der Leiste und im Rücken hervorrufen. Leider wird dies in vielen Fällen erst spät erkannt. Ein Bandscheibenvorfall kann unterschiedliche Symptome verursachen, Rückenschmerzen sind ein typisches Symptom. Daneben können ein Ziehen in der Leiste, ausstrahlende Schmerzen in die Beine und Sensibilitätsstörungen auftreten.

Taubheit / Kribbeln

Ein Ziehen in der Leiste mit Sensibilitätsstörungen wie Taubheitsgefühl, Ameisenlaufen oder Kribbeln ist ein Hinweis auf eine Nervenschädigung. Weit verbreitet ist der Bandscheibenvorfall, bei dem der Kern der Bandscheiben auf die Nervenwurzeln im Spinalkanal Druck ausübt und infolgedessen Symptome wie Taubheit und Kribbeln im Bereich der Beine vorkommen.

Diagnose

Bei einem Ziehen in der Leiste kommen verschiedenste Ursachen infrage. Um die richtige Diagnose zu stellen, führten Arzt und Patient zunächst ein gründliches Gespräch über die Symptome, das zeitliche Auftreten der Beschwerden, Vorerkrankungen und ähnliche Beschwerden in der Familiengeschichte. Eine körperliche Untersuchung wird anschließend genutzt, um die Leisten äußerlich zu beurteilen und auf Druckschmerzhaftigkeit zu untersuchen. Orthopädische Untersuchungen können angewendet werden, um nach einem Bandscheibenvorfall, einer Arthrose oder einer muskulären Ursache zu suchen. Abhängig von der Verdachtsdiagnose können weitere bildgebende Untersuchungen angezeigt sein.

Ultraschall

Eine Ultraschalluntersuchung ist eine schnelle, nebenwirkungsfreie Untersuchungsmethode, um zum Beispiel einen Leistenbruch oder eine Lymphknotenentzündung nachzuweisen. Dabei liegt der Betroffene auf einer Liege und der Arzt setzt den Ultraschallkopf auf die betroffene Leistengegend. Damit kann bei einer stark ausgeprägten Hernie außerdem die Dringlichkeit einer möglichen Behandlung gezeigt werden.

Röntgenbild

Besteht nach Gespräch und körperlicher Untersuchung ein Verdacht auf eine Hüftarthrose, ist die Röntgenuntersuchung der Goldstandard. Mit Röntgenbildern in zwei Ebenen kann die Arthrose nachgewiesen und der Schweregrad der Arthrose beurteilt werden.

Wann braucht man ein MRT?

Die Magnetresonanztomografie, MRT, ist eine strahlenfreie Untersuchung, die sehr Weichteilverletzungen ideal darstellen kann. Ist zum Beispiel bei stark übergewichtigen Personen die Ultraschalluntersuchung erschwert, kann eine MRT das Ausmaß eines Leistenbruchs darstellen. Auch Erkrankungen der Geschlechtsorgane und Lymphknotenentzündungen werden mit dieser Untersuchungsmethode genau dargestellt.

Behandlung / Therapie

Die Behandlung eines Ziehens in der Leiste wird von der Ursache der Beschwerden bestimmt. Es empfiehlt sich, den Hausarzt aufzusuchen und die Ursache eines plötzlich aufgetretenen Ziehens in der Leiste abklären zu lassen. Wird dabei zum Beispiel eine Hüftarthrose diagnostiziert, verläuft die Behandlung in der Regel zunächst konservativ. Dazu gehören gelenkschonende Sportarten, Physiotherapie und physikalische Therapie sowie orthopädische Mittel, zum Beispiel Einlagen und Pufferabsätze. Entzündungshemmende Schmerzmedikamente werden häufig eingesetzt. Im späten Krankheitsverlauf bleiben oftmals nur operative Verfahren wie Knorpelersatzverfahren, Arthroskopien und schließlich ein Gelenkersatz. Ein Leistenbruch wiederum muss nicht immer behandelt werden. Bei Männern, die keine Beschwerden haben, wird in vielen Fällen nicht eingegriffen. Bei Frauen wiederum besteht ein höheres Risiko für Einklemmungen, sodass Leistenbrüche bei Frauen in der Regel operiert werden. Ähnlich verhält es sich bei Kindern. Da die Gefahr einer Einklemmung von Bauchgewebe besteht, müssen Leistenbrüche bei Kindern grundsätzlich behandelt werden. Liegt eine Adduktorenzerrung vor, ist eine Sportpause nötig, um einen chronischen Krankheitsverlauf vorzubeugen. Nach Abklingen der Beschwerden sollte die Muskulatur langsam gedehnt werden, um Verletzungen der Sehnen zu vermeiden. Krankengymnastische Übungen eignen sich sehr gut zur Remodulierung der Adduktoren. Ein weiteres Beispiel möglicher Ursachen eines Ziehen in der Leiste ist eine Lymphknotenentzündung. Dabei handelt es sich um eine akute Reaktion unseres Immunsystems. Diese kann durch eine Hals- oder Ohrenentzündung, durch Pfeiffersches Drüsenfieber oder weitere Krankheiten wie Syphilis bedingt sein.

Dauer

Ein Ziehen in Leiste kann Tage andauern oder lebenslang bestehen schlimmer werden, abhängig von der Ursache des Symptoms. Eine Hüftarthrose verläuft zum Beispiel chronisch progredient und ist nicht heilbar. Erst ein operativer Hüftgelenksersatz bei stark fortgeschrittener Arthrose kann zu einer effektiven Reduktion der Beschwerden führen. Im Gegensatz dazu verläuft der Großteil der Leistenbrüche harmlos. Nach einer Operation klingen die Schmerzen oftmals nach circa zwei Wochen ab. Gelegentlich kommt es zu einem Rückfall mit neuem Leistenbruch. Eine Zerrung der Adduktoren klingt bei strenger Sportpause nach wenigen Tagen ab und heilt innerhalb weniger Wochen. Ohne Ruhigstellung kann es jedoch zu einem chronischen Verlauf der Muskelzerrung kommen. Liegt eine Lymphknotenentzündung als Ursache des Ziehens in der Leiste vor, können die Beschwerden wenige Tage bis Wochen andauern, abhängig von der Ursache der Lymphknotenentzündung.

Prävention

Laufbandanalyse

Verschiedene Formen der Fehlhaltung von Fuß, Bein und Hüfte können unter anderem ein Ziehen in der Leiste hervorrufen. Ein Laufbandanalyse dient dazu, Fehlhaltung zu detektieren. Unter Last wird die Stellung der Gelenke und das Zusammenspiel der Muskulatur analysiert und mit der Norm verglichen. 

Aus den erhobenen Daten werden dann Übungen, ggf. Einlagen und das passende Schuhwerk empfohlen.

Lesen Sie mehr über die Laufbandanalyse in dem Artikel: Laufbandanalyse

Trainingsübungen

Trainingsübungen spielen bei einem Ziehen in der Leiste eine Rolle, wenn Fehlhaltungen, Muskel- und Sehnenverletzungen oder Erkrankungen des Hüftgelenks vorliegen.

  • Bei Fehlhaltungen ist es wichtig, Übungen der betroffenen Muskelgruppen richtig durchzuführen. Dafür empfiehlt sich professionelle Physiotherapie.
     
  • Bei Muskel- und Sehnenverletzungen wie einer Adduktorenzerrung, sollte die betroffene Muskulatur in der Akutphase geschont werden. Erst nach Abklingen der Beschwerden kann langsam mit gezielten Trainingsübungen begonnen werden.Hierbei ist es sehr wichtig, Spieler und Gegenspieler zu trainieren.
     
  • Bei einer Adduktorenzerrung sollten nach ausreichender Sportpause gleichermaßen die Abduktoren des Oberschenkels gekräftigt werden.
     
  • Liegt dem Ziehen in der Leiste eine Hüftarthrose zugrunde, sind Trainingsübungen gut geeignet, um die Hüfte zu mobilisieren. Effektiv sind Übungen für die Hüftbeuger und Übungen mit einer Faszienrolle.