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CMD-craniomandibuläre Dysfunktion

Dieser Artikel wurde durch Dr. Gerret Hochholz veröffentlicht.
Dr. Gerret Hochholz Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.
Außerdem ist er Instruktor für Manuelle Therapie und spezialisiert auf Akupunktur und fügt über große Erfahrung im Bereich der Triggerakupunktur.

Seinen Behandlungsschwerpunkt hat er bei der Diagnostik und Therapie der verschiedenen Wirbelsäulenerkrankungen.
Sein Ziel ist es alle Erkrankungen ohne Operation zu lösen.
 

Definition - Was ist eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)?

Als craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) bezeichnet man eine schmerzhafte Störung im Bereich des Kauapparates, und beinhaltet die Kaumuskeln sowie die Kiefergelenke .
Die CMD umfasst eine Vielzahl von Beschwerden.

Von einer CMD spricht man wenn 3 von 6 der folgenden Symptome vorliegen:

  • Schmerzen im Kiefer
  • Mandibuläre Dysfunktion
  • Kiefergeräusche wie Knacken, Reiben
  • Abnorme Bewegung des Unterkiefers
  • Unzureichende Mundöffnung
  • Psychische Faktoren

Die Vielseitigkeit der Beschwerden ist durch die zahlreichen Nervenverbindungen im Kiefer-, Gesicht- und Nackenbereich bedingt und es bedarf entsprechend unterschiedlichen Maßnahmen zur Linderung.

Ursachen

Eine craniomandibuläre Dysfunktion kann verschiedene Ursachen haben:

  • Muskuläre Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich
  • Fehlstellungen der Kiefergelenke
  • Fehlstellungen im Bereich der Halswirbelsäule
  • Fehlstellungen im Bereich der Lendenwirbelsäule oder des Beckens
  • Stress
  • Hormonelles Ungleichgewicht
  • Erkrankungen der Gelenke und Knochen, wie Arthritis oder Osteoporose

An diesen Symptomen erkennen Sie eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Zu den Hauptsymptomen einer craniomandibulären Dysfunktion gehören Beschwerden im Bereich des Kiefers und der Zähne wie zum Beispiel:

  • Schmerzen beim Kauen oder Aufeinanderbeißen der Zähne im Bereich des Kiefergelenks
  • nächtliches Knirschen
  • nicht mehr vollständig öffnen des Mundes

Die craniomandibuläre Dysfunktion geht in den meisten Fällen mit muskulären Beschwerden einher.
Hierzu zählen vor allem Verspannungen und ein muskulärer Hartspann im Bereich des Nackens und der Schulter.

Es kommt zu Fehlhaltungen oder einer Schonhaltung zur Entlastung des überlasteten Gewebes.

In vielen Fällen ist auch die restliche Wirbelsäule betroffen und es liegen vielfältige muskuläre Verspannungen im Bereich des Rückens vor.
Daher klagen die Betroffenen häufig über Rückenschmerzen.

Das sind die typischen Begleitsymptome einer craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Eine craniomandibuläre Dysfunktion kann sich durch vielfältige und unspezifische weitere Begleitsymptome äußern. Hierzu zählen:

  • Schmerzen in verschiedenen Bereichen des Gesichts.
  • Schwindel in Kombination mit Verspannungen im Nackenbereich
  • Schmerzen im Bereich des Ohres oder einen Tinnitus
  • Sehstörungen, Schmerzen oder Rötungen an einem oder beiden Augen
  • Migräne oder Spannungskopfschmerzenin Komnbination mit Verspannungen im Nackenbereich

 

Schwindel

Schwindel ist ein häufig auftretendes Symptom bei einer craniomandibulären Dysfunktion.

Typisch ist hier das plötzliche Auftreten des Schwindels bei ruckartigen, starken Bewegungen des Kopfes oder im direkten Zusammenhang mit einer Schmerzattacke im Rahmen der CMD.

Der Schwindel kann von unterschiedlichem Charakter sein.
Ein Drehschwindel durch die Beeinträchtigung bzw. Reizung der Nerven des Gleichgewichtsorgans kann ebenso auftreten wie ein ungerichteter gegebenenfalls schwankender Schwindel aufgrund der starken Schmerzen und der häufig auftretenden Verspannungen im Nacken.

Der Schwankschwindel ist allerdings charakteristischer für die Mitbeteiligung der Kopfgelenke und der CMD.

Tinnitus

Auch ein Tinnitus kann als Begleitsymptomatik bei einer craniomandibulären Dysfunktion auftreten.
Darunter fallen sowohl das typische Piepen im Ohr über eine gewisse Zeitspanne als auch andere Ohrgeräusche, wie beispielsweise ein Rauschen.

Häufig treten diese Ohrgeräusche im Zusammenhang mit akut auftretenden starken Schmerzen auf.

Vermutet wird hier als Ursache eine Reizung der Nerven im Bereich des Gesichts und dadurch verbunden auch eine Reizung der Nerven der Ohren.

Gegebenenfalls ist eine Abklärung durch einen Facharzt zum Ausschluss anderer Ursachen für den Tinnitus sinnvoll.

Diagnose

Die Diagnose einer craniomandibulären Dysfunktion wird durch folgende diagnostische Maßnahmen gestellt.

Zunächst ist das Arzt-Patienten-Gespräch zur Klärung der genauen Beschwerden und denkbarer Zusammenhänge sehr wichtig.
Hier kann bereits herausgearbeitet werden, ob eher eine psychische Ursache, wie etwa Stress, oder eine physische, zum Beispiel eine Kieferfehlstellung, der Grund des Übels ist.

Die körperliche Untersuchung im Anschluss kann bereits erste Hinweise darauf geben, ob die CMD ausgelöst wird durch eine Wirlbesäulen- oder Kieferfehlstellung oder ob das Problem eher von den Zähnen ausgeht.

Zur geneueren Abklärung der unterschiedlichen Auslöser der Beschwerden kann die Anfertigung eines Röntgenbildes oder die Durchführung eines MRT sinnvoll sein.

Röntgenbild

Die Anfertigung eines Röntgenbildes ist für die Diagnose einer craniomandibulären Dysfunktion nicht zwingend erforderlich.

Mit dieser Untersuchung können spezifische Ursachen bei entsprechendem klinischen Verdacht jedoch ausgeschlossen werden, deshalb sollte die Durchführung eines Röntgens individuell, an den jeweiligen Patienten angepasst, entschieden werden.

Beim Verdacht auf eine knöcherne Ursache, eine Fehlstellung des Kiefergelenks oder eines oder mehrerer Zähne, sowie zur Abklärung möglicher Verschleißerscheinungen oder Verletzungen an der Wirbelsäuleist ein Röntgenbild sinnvoll zur Abklärung.

Wann braucht man ein MRT?

Auch ein MRT muss nicht bei jedem Verdacht auf eine craniomandibuläre Dysfunktion durchgeführt werden.
Es kann jedoch sinnvoll sein, wenn eine Ursache vermutet wird, die im MRT gut dargstellt werden kann.

Hierzu zählen beispielsweise Erkrankungen oder Schädigungen der Kiefergelenke, so zum Beispiel auch der Verdacht auf einen entzündlichen Prozess.
Speziell am Kiefergelenk zwischen Gelenkkopf und Gelenkscheibe sind verschleißbedingte Erscheinungen im MRT besonders gut zu erkennen.

So kann der Orthopäde/Osteopath helfen

Es gibt verschiedene Bereiche und körperliche Systeme, die bei einer craniomandibulären Dysfunktion behandelt werden können und somit zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Der Orthopäde kann hierbei vor allem durch die genaue Abklärung von Verspannungen, Fehlhaltungen oder Fehlstellungen im Bereich des Nackens und der Wirbelsäule helfen.

Der Osteopath kann durch verschiedene Massagebewegungen und Behandlungen am Kiefergelenk, den Schultern und dem Nacken helfen.

Muskuläre Dysbalancen-Check

Der muskuläre Dysbalancen-Check stellt ein essenzielles Behandlungsmittel bei einer craniomandibulären Dysfunktion dar, da dieser Erkrankung sehr häufig auf muskuläre Verspannungen zurückzuführen ist, die auf Grund eines Ungleichgewichts der Muskulatur entstehen.

Bei dieser Methode werden die einzelnen Muskelgruppen im Bereich von Schultern und Nacken, aber auch dem Rest der Wirbelsäule analysiert und untersucht.

Dadurch können muskuläre Schwächen und damit verbundene Fehlbelastungen des Rückens und des Nackens entdeckt und mittels eines individuellen Trainingsplans behandelt werden.

EMG

Die Elektromyographie, kurz das EMG, dient als weitere Präventions- und Rehabilitationsmaßnahme der Abklärung von muskulären Schädigungen.

Hierbei können die Muskelaktivitäten durch elektische Ströme graphisch dargestellt werden und so die Stärke und Aktivität verschiedener Muskeln und Mueskelgruppen im Nackenbereich untersucht werden.

Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf mögliche bestehende Muskelschwächen oder andere ursächliche Erkrankungen schließen und mittels eines individuellen Trainingsplanes, kann direkt gegen diese muskulären Instabilitäten gearbeitet werden.

Wirbelsäulenvermessung

Bei der Wirbelsäulenvermessung handelt es sich um eine wichtige Untersuchung der gesamten Wirbelsäule sowie der Ursachenklrung der CMD dar.

Hierbei steht die Fragestellung nach möglichen Fehlstellungen, Fehlhaltungen oder anderen Auffälligkeiten im Bereich der Wirbelsäule im Vordergrund.

Diese Fehlstellungen können sich wiederum über das Kiefergelenk auf den Kiefer und das gesamte Gesicht und somit auch auf eine craniomandibuläre Dysfunktion auswirken.

Trainingsübungen

Es gibt zahlreiche Trainingsübungen, die bei einer craniomandibulären Dysfunktion zur Linderung der Beschwerden beitragen können. Hierbei sollten die Übungen in Abhängigkeit von der Art der Symptomatik gewählt und durchgeführt werden.

Bei Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks kann das Bewegen des Unterkiefers Besserung verschaffen.
Dabei wird in sitzender Position der Kiefer locker hängen gelassen, sodass der Mund leicht offen steht.Anschließend wird die rechte Hand an den rechten Unterkiefer gelegt und dieser leicht nach links verschoben.Nun wird versucht mit dem Unterkiefer gegen die Hand zu drücken und diese wegzuschieben.Dabei sollte die Intensität der Ausführung immer an die Beschwerden angepasst sein. Im Anschluss wird das Ganze auf der anderen Seite wiederholt.

Bei Beschwerden im Nacken- und Kopfbereich kann eine weitere Übung im Sitzen Linderung verschaffen.
Hierbei wird der Kopf locker gelassen und langsam auf die rechte Seite in Richtung Schulter geneigt. Nun wird die linke Hand auf die linke Gesichtshälfte gelegt. Der Kopf wird nun gegen die Hand gedrückt, sodass ein Zug in die Neigung zurück in die Gerade erfolgt. Auch hier sollte immer ein schmerzadaptierter Trainingsprozess angestrebt werden. Die Übung wird anschließend in die entgegengesetzt Richtung mit der entsprechend anderen Hand wiederholt.

Dehnung

Auch zahlreiche Dehnungsübungen sind bei einer craniomandibulären Dysfunktion hilfreich, um Linderung bei verspannten Muskeln zu verschaffen.

Liegen beispielsweise vermehrte Verspannungen und ein muskulärer Hartspann im Nackenbereich vor, kann dieser aktiv gedehnt werden.

Hierzu wird der Kopf locker nach rechts geneigt und in einer kreisenden Bewegung nach vorne, zur linken Seite gerollt. Zur Intensivierung dieser Dehnung kann zusätzlich leicht mit einer oder mit beiden Händen nachgeholfen werden.

Faszientraining

Auch die Faszien, die im Kopf- und Nackenbereich komplex vernetzt sind und daher häufig eine zentrale Rolle bei der craniomandibulären Dysfunktion spielen, können durch Übungen gedehnt und entspannt werden.

Hierfür gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Empfohlen wird das Training mit einer Faszienrolle oder Black Roll.

Diese kann beispielsweise zwischen dem hinteren Halsbereich und einer Wand positioniert werden und anschließend mit leichten Bewegungen entlang der Halswirbelsäule auf und ab balanciert werden.

Nährer Informationen finden sie unter Faszeintraing.

Prognose

Die Prognose einer craniomandibulären Dysfunktion ist in der Regel recht gut.

Die Erkrankung kann durch eine adäquate und früh begonnene Behandlung oft effektiv therapiert werden und somit eine Linderung der Schmerzen herbeigeführt werden.

Dies geschieht immer in Abhängigkeit von möglichen zugrundeliegenden Ursachen, die prognosebestimmend sind.

Bei konsequenter Durchführung zahlreicher und regelmäßiger Übungen, sowie der genauen Analyse möglicher muskulärer Dysbalancen und Verspannungen ist die Prognose trotzdessen meist zufriedenstellend.