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Lumedis Frankfurt

Dr. Nicolas Gumpert
Facharzt für Orthopädie

Privatpraxis für Orthopädie, Sportmedizin, Akupunktur und manuelle Medizin

Kaiserstraße 14 / Kirchnerstraße 2
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Hinterer Kreuzbandriss

Dieser Artikel wurde durch Dr. Nicolas Gumpert veröffentlicht.
Dr. Nicolas Gumpert ist Facharzt für Orthopädie ist regelmäßig als Gast im Hessischen Rundfunk eingeladen.
Daneben steht er vielen Printmedien wie Welt, Sportbild, DPA regelmäßig als Interviewpartner zu Verfügung.
Weiterhin betreibt er mit Dr-Gumpert.de ein Informationsportal für laienverständliche Medizin mit mehr als 100 Millionen Seitenabrufen pro Jahr.

Definition - Was ist ein hinterer Kreuzbandriss?

Zu den Kreuzbändern des Knies zählen das vordere und das hintere Kreuzband.
Sie dienen gemeinsam mit den Seitenbändern der Stabilität des Kniegelenks in der Bewegung.

Bei einem Rissdes hinteren Kreuzbandes reißen die Fasern des Bandes entweder in Teilen oder komplett, wobei es häufiger zu Rissen des vorderen Kreuzbandes kommt.
Neben

  • Schmerzen und
  • Schwellung resultiert daraus
  • vor allem eine Bewegungsinstabilität im Gelenk.

Es sind konservative und operative Behandlungen möglich.

Lesen Sie auch unser Thema Vorderer Kreuzbandriss.

Ursachen

Risse des hinteren Kreuzbandes entstehen seltener als Risse des vorderen Kreuzbandes und sind in der Regel Folge von Unfällen oder Sportverletzungen.

Meist kommt es zum Riss des hinteren Kreuzbandes, wenn der Unterschenkel bei gebeugtem Knie plötzlich gegen den Oberschenkel nach hinten bewegt wird.
Vor allem bei Autounfällen kann es so zu Verletzungen des hinteren Kreuzbandes kommen.
In der Regel entstehen Risse des hinteren Kreuzbandes nicht allein, sondern sind aufgrund der erforderlichen Krafteinwirkung, die zur Schädigung des hinteren Kreuzbandes benötigt wird eher Teil komplexerer Verletzungen des Kniegelenks.

Fußball

Neben Autounfällen können auch Stürze auf das gebeugte Knie, wie sie bei schnellen Ballsportarten wie Hand- oder Fußball, vorkommen.
Beim Fußball kommt es vor allem im Rahmen von Fouls zu Krafteinwirkungen, die zu Rissen des hinteren Kreuzbandes führen können.

An diesen Symptomen erkennen Sie einen hinteren Kreuzbandriss

Oftmals entsteht beim Riss eines Kreuzbandes ein

  • spür- und teilweise auch hörbares Knacken oder Knallen im Kniegelenk.
  • Diesem Folgen in der Regel sofort unterschiedlich starke Schmerzen, die auch von der Verletzung weiterer Strukturen des Knies abhängen.
  • Innerhalb weniger Minuten kommt es zur starken Schwellung des Kniegelenks,
    unter anderem durch Verletzung von Blutgefäßen und daraus resultierender Einblutung ins Innere der Gelenkkapsel.
  • Belastung wird in der Regel vermieden und
  • es besteht vor allem beim Beugen ein Instabilitätsgefühl.

Schmerzen

Meist treten infolge eines Kreuzbandrisses Schmerzen direkt nach dem Unfallereignis ein.
Da es oft zu begleitenden Verletzungen weiterer Knieweichteile kommt, variieren sowohl

  • Ausprägung, als auch
  • Lokalisierung und
  • Charakter der Schmerzen deutlich.

Besteht erst einmal eine deutliche Kniegelenksschwellung sind die Schmerzen schwellungsbedingt meist dumpf und diffus.

Kann man einen Kreuzbandriss auch ohne Schmerzen haben?

Kreuzbandrisse entstehen in der Regel im Rahmen eines Unfalls oder einer Sportverletzung und sind schmerzhaft.
Vor allem im Rahmen eines Unfalls kann es jedoch vorkommen, dass die Schmerzen im Rahmen des Schocks und der Aufregung nicht wahrgenommen werden,
sondern erst auffallen, wenn schon eine ausgeprägte Schwellung besteht und die Schmerzen schwellungsbedingt dumpfer und diffuser geworden sind.

Schwellung

Beim Riss des hinteren Kreuzbandes kommt es oftmals zu Begleitverletzungen und zu Verletzungen von Blutgefäßen.
Dadurch kommt es dann innerhalb weniger Minuten zu Einblutungen in die Gelenkkapsel mit daraus resultierender Schwellung des gesamten Kniegelenks.
In einigen Fällen ist es sogar notwendig, die Gelenkkapsel mit einer Spritze zu punktieren und die gesammelte Flüssigkeit ab zu ziehen, um Folgeschäden an Gefäßen und Nerven durch den Druck der massiv vergrößerten und prallen Gelenkkapsel zu vermeiden.
Schwellungsbedingte Schmerzen bessern sich nach der Punktion meist sofort.

Instabilität im Knie

Das hintere Kreuzband verbindet in der Kniekehle Ober- und Unterschenkel miteinander und soll den Unterschenkel während einer Beugebewegung daran hindern, nach hinten zu rutschen.
Sind Teile des hinteren Kreuzbandes verletzt oder vollständig gerissen kommt es vor allem bei der Beugebewegung zum Gefühl von Instabilität, da sich der Unterschenkel gegen den Oberschenkel verschieben kann.
Aus dieser vermehrten Instabilität resultiert zudem eine gesteigerte Belastung anderer Kniebinnenstrukturen, die mit einem erhöhten Risiko der Ausbildung einer Arthrose einhergehen.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Kniearthrose

Diagnose

Um die Diagnose eines hinteren Kreuzbandrisses stellen zu können, beginnt der Arzt seine Untersuchung mit einer Krankenbefragung (Anamnese), in der die aktuellen Beschwerden und der Unfallhergang genauestens geschildert werden sollten.

Anschließend erfolgt die klinische Untersuchung des Knies im Vergleich zur Gegenseite.

Verschiedene klinische Tests können auf einen Kreuzbandriss hindeuten.
Mit einer Ultraschalluntersuchung können Ergüsse im Kniegelenk als Hinweis auf Verletzungen oder Reizungen des Gelenks erkannt werden.

Röntgenbild

Häufig wird nach der klinischen Untersuchung ein Röntgenbild des Kniegelenks in mehreren Ebenen angefertigt.
Es dient vor allem dazu

  • knöcherne Verletzungsfolgen auszuschließen und
  • die Integrität des Kniegelenks zu beurteilen.

Die Kreuzbänder selbst sind auf einer Röntgenaufnahme ebenso, wie Menisken und Seitenbänder nicht zu beurteilen.

Wann braucht man ein MRT?

Sollte der Verdacht auf eine Verletzung der weichgewebigen Kniebinnenstruktur bestehen, gehört die MRT (Magnetresonanztomografie) mittlerweile zur Standard Diagnostik.
Es entstehen hochauflösende Bilder mit starkem Weichteilkontrast.

  • Kleinste Wassereinlagerungen als Verletzungshinweis können erkannt werden.
  • Neben den Kreuzbändern können auch alle anderen weichgewebigen Strukturen wie
  • Menisken,
  • Seitenbänder und
  • Knorpel beurteilt werden.

So können auch Mehrfachverletzungen zweifelsfrei erkannt werden.

Lesen Sie auch unser Thema MRT vom Knie.

Behandlung / Therapie

Zur Behandlung eines Risses des hinteren Kreuzbandes kommen sowohl operative, als auch konservative Maßnahmen in Betracht.

Die Entscheidung über die bestmögliche Therapie hängt von vielerlei Faktoren, wie

  • Alter und
  • Aktivitätsgrad des Patienten,
  • Begleitverletzungen,
  • bereits bestehender Verschleiß und
  • allgemeiner Zustand des Kniegelenks ab und
  • ist stets eine individuelle Einzelfallentscheidung.

Die konservative Therapie besteht aus einer Kombination von

  • Schmerzbekämpfung mittels NSAR (Nichtsteroidalen Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Diclofenac,
  • Bandagen oder Orthesen,
  • Schonung und
  • Physiotherapie.

Wer braucht keine OP?

Eine konservative Therapie kann immer dann erwogen werden, wenn

  • nur ein Teilriss des hinteren Kreuzbandes vorliegt, oder 
  • die klinische Untersuchung nur eine geringe Instabilität zeigt.
  • Auch ältere Patienten mit einem geringen Leistungsanspruch können in der Regel konservativ therapiert werden.

Zur Behandlung erfolgt dann die Anlage einer Kniegelenksorthese, die das Kniegelenk stabilisiert und eine Heilung durch erneutes Aneinanderwachsen der Fasern unter Narbenbildung ermöglicht.

Wer braucht eine OP?

Eine Operation wird vor allem

  • bei knöchernen Ausrissen des hinteren Kreuzbandes,
  • beim Vorliegen von Begleitverletzungen oder
  • bei ausgeprägter Instabilität des Kniegelenks notwendig.
  • Ein weiterer Grund zur Durchführung einer Operation ist ein hoher Leistungsanspruch an das Kniegelenk, wie beispielsweise bei Leistungssportlern.

Dann sollte eine Operation nach einer kurzen Phase der Schonung des Kniegelenks zur Abschwellung in den nächsten 2 bis 6 Wochen durchgeführt werden.

Wie wird eine Kreuzband OP durchgeführt?

Es kann prinzipiell zwischen zwei operativen Verfahren zur Therapie eines Risses des hinteren Kreuzbandes unterschieden werden.

  • Die Kreuzbandnaht, bei der die gerissenen Enden des Kreuzbandes einfach wieder zusammengefügt und mit einer Naht aneinander gehalten werden, um zu heilen.
    Die Kreuzbandnaht kann nur bei einem frisch gerissenen Kreuzband erfolgen, da eine Heilung nur bei vitalem Kreuzbandgewebe möglich ist.
  • Zum Anderen eine Kreuzbandplastik oder Kreuzbandrekonstruktion, bei der ein Kreuzbandersatz aus körpereigenem Sehnenmaterial an ursprünglicher Stelle verankert wird, der dann die Funktion des hinteren Kreuzband übernehmen soll.
    Für die Kreuzbandplastik werden in der Regel Sehnenteilstücke der Gracilis- oder Semitendinosus-Sehne von der Schienbeinkante entnommen.
    Diese werden dann über Bohrkanäle an Oberschenkelknochen und Schienbein mit Platten und Schrauben so befestigt, dass sie die Funktion des ursprünglichen Kreuzbandes übernehmen können.

Beide operative Verfahren werden in der Regel durch eine Kniespiegelung minimalinvasiv, also durch eine Schlüsselloch-Technik durchgeführt, um eine möglichst kleine Wundfläche zu provozieren.

Im Anschluss an die OP erfolgt die Fixierung des Kniegelenks in einer Orthese, die über die nächsten Wochen schrittweise Bewegungsspielraum frei gibt.
Die ersten Tage nach der Operation erfolgt

  • die Lagerung in einer Schiene und
  • das Knie sollte mehrmals täglich gekühlt werden.
  • Meist wird während der OP eine Drainage eingelegt, die nach 1-2 Tagen entfernt werden kann.

Probleme / Komplikationen nach einer OP

Auch bei einer minimalinvasiven Operation des hinteren Kreuzbandes durch eine Kniespiegelung (Arthroskopie), gelten die allgemeinen Operationsrisiken jeder OP, zu denen

  • Blutungen,
  • Wundheilungsstörungen,
  • Infektion des Gelenkes oder
  • eine Beinvenenthrombose gehören.

Komplikationen, die speziell mit Operationen des hinteren Kreuzbandes verbunden sind, sind

  • Gefäß-Nerven-Verletzungen und
  • eine verbleibende Instabilität des Kniegelenkes oder
  • eine Bewegungseinschränkung, im Sinne einer fehlenden vollen Streck- oder Beugefähigkeit des Kniegelenkes.
  • Im Rahmen von Kniegelenksspiegelungen kommt es häufiger zu Verletzungen von kleinen Hautnerven, woraus ein Taubheitsgefühl oder Missempfindungen am Schienbein resultieren können.
    Diese klingen in der Regel von selbst wieder ab, wenn der Nerv sich erholt hat, was allerdings einige Wochen bis Monate dauern kann.

Aufgrund der Standardisierung solcher Eingriffe wie Operationen der Kreuzbänder in darauf spezialisierten Zentren und aufgrund des medizinischen Fortschritts der letzten Jahre sind die Risiken ernsthafter Komplikationen aber letztendlich als gering anzusehen.
Langfristig ist jedoch auch trotz minimalinvasiver Verfahren mit möglichst geringer Wundfläche und dementsprechend geringer Narbenbildung das Risiko für die Entwicklung einer Kniearthrose (Gonarthrose) erhöht.

Trainingsübungen nach einem Kreuzbandriss

Der Trainingsaufbau nach einem Kreuzbandriss ist unabhängig von der gewählten Behandlungsmethode langwierig und sollte sorgfältig durchgeführt werden, um das Ergebnis nicht negativ zu beeinflussen.

Je nach Behandler gibt es verschiedene Möglichkeiten den Trainingsaufbau zu gestalten. In der Regel ähneln sie sich aber überwiegend und werden lediglich durch individuelle Faktoren variiert.
Vor allem nach einer Operation erfolgt zunächst

  • eine Entlastung des Beines durch das Nutzen von Gehstöcken (ca. 20 kg Teilbelastung) für etwa vier Wochen.
  • Zudem erfolgt das Tragen einer PTS-Schiene (posterior tibial support = hintere Schienbein-Unterstützung) zum Schutz des operierten Kniegelenkes Tag und Nacht für sechs Wochen.
    Hierbei handelt es sich um eine Unterschenkelschiene mit einem Wadenkissen, welches als Polster das Zurückrutschen des Unterschenkels verhindern soll.
  • In direktem Anschluss an die Operation kann mit isometrischen Anspannungsübungen, in denen die Muskulatur so angespannt wird, dass keine Bewegung erfolgt zum Muskeltraining und Physiotherapie zur Lymphdrainage und leichten Krankengymnastik begonnen werden.
    Die ersten Bewegungsübungen erfolgen zum Schutz des hinteren Kreuzbandes in der Regel in Bauchlage.
    Aktive Beugung im Kniegelenk gegen Widerstand sollte für sechs Wochen vermieden werden.

Laufbandanalyse - auch zur Prävention

Eine Laufbandanalyse des individuellen Laufstils vor und nach einer stattgehabten Knieverletzung dient dazu, die Kniebelastung in Zukunft möglichst ausgeglichen zu gestalten.
Hierzu können während der Laufbandanalyse

  • Verbesserungsvorschläge zur Optimierung des Laufstils ausgesprochen und
  • das bestmögliche Schuhwerk ausgewählt werden.

Dies geschieht durch Analyse des Laufverhaltens barfuß und mit Schuhen bei verschiedenen Geschwindigkeiten.
Videokameras zeichnen aus verschiedenen Perspektiven auf und in der Bodenplatte befinden sich Drucksensoren.
Die Auswertung erfolgt durch den Untersucher und eine Software.

Lesen Sie auch mehr in unserem Artikel Laufbandanalyse.

Heilungsdauer

Die Heilungsdauer nach einem Riss des hinteren Kreuzbandes kann nicht pauschal vorhergesagt werden.

Im Verlauf können jedoch Belastung und Bewegung im Kniegelenk schrittweise aufgebaut werden.
Ziel ist ein

  • stabiles Kniegelenk,
  • optimaler Muskelaufbau und
  • eine sichere Koordination, um das vernarbte Kreuzband oder das Transplantat nach einer Operation vor weiteren Schädigungen zu schützen.

Bei konservativer Therapie eines unkomplizierten Teilrisses bei jungen, gesunden Patienten ist mit einer Heilung innerhalb weniger Monate zu rechnen.

Nach operativer Behandlung gestaltet sich der Heilungsverlauf in der Regel zeitaufwendiger.
Es ist mit einer Nachbehandlung und Rehabilitation abhängig vom operativen Verfahren von mehreren Monaten zu rechnen.

Selbst Leistungssportler erreichen trotz optimaler Betreuung durch Physiotherapeuten, Ärzte und Trainer in der Regel erst nach 6 bis 12 Monaten ihr ursprüngliches Leistungsniveau.
Da es sich bei Rissen des hinteren Kreuzbandes aber generell um eher schwerwiegendere Verletzungen handelt, ist nicht sicher vorherzusagen, ob eine Rückkehr zur Vollbelastung erreichbar ist.