Julia Reich
Ärztin
Dr. Nicolas Gumpert
Facharzt für Orthopädie
Lumedis HNO Frankfurt wird nicht am Standort
Kaiserstr. 14
60311 Frankfurt am Main
entstehen.
Ein Benigner Paroxysmaler Lagerungsschwindel kann durch den plötzlich einsetzenden Drehschwindel sowie die damit verbundene Übelkeit sehr traumatisch sein und den Alltag für die Zeit der Attacke stark einschränken. Sollten Sie den Verdacht auf das vorliegen eines Lagerungsschwindels haben, empfehlen wir die Vorstellung beim Facharzt für HNO. Eine Teilnahme am Straßenverkehr ist bei bestehendem Schwindel nicht empfohlen.

Dieser Artikel wurde durch Julia Reich zuletzt aktualisiert.
Julia Reich ist Assistenzärztin für HNO an der Uniklinik Frankfurt.
Sie veröffentlicht viele für laienverständliche Artikel zu den verschiedenen Erkrankungen der HNO bei Lumedis.
Weitere Informationen finden zu Ihrer Person finden Sie unter Julia Reich.
Bitte beachten Sie das Lumedis aktuell noch keine Behandlungen im Bereich das Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde durchführt.
Neben der Hörschnecke ist im Schädelknochen auch das Gleichgewichtsorgan eingebettet. Letzteres misst die Beschleunigung des Körpers bzw. des Kopfes und leitet diese Information an das Gehirn weiter. Dies hilft dem Körper bei der Koordination von Bewegungen und der Feinmotorik. Dabei kann das Gleichgewichtsorgan durch den Sacculus und den Utrikulus sowie die Bogengänge sowohl lineare Bewegungen (nach vorne, nach hinten, nach oben und nach unten) als auch Drehbewegungen wahrnehmen. Hierfür verwendet das Gleichgewichtsorgan besondere Strukturen. Dabei handelt es sich um Maculaorgane und Cupulae in den Bogengängen.
Der Mensch besitzt pro Seite drei Bogengänge, in denen die Drehbeschleunigung gemessen wird. Die drei Gänge sind dabei in unterschiedliche Richtungen ausgerichtet, um alle Raumrichtungen abzudecken. In den Bogengängen befindet sich die sogenannte Endolymphflüssigkeit. Dabei handelt es sich um eine Flüssigkeit mit einer besonderen Elektrolytzusammensetzung. Am Ende jedes Bogengangs sitzt eine Cupula, auch Cupula ampularis genannt. In ihnen befinden sich kleine Haarsinneszellen, die bei Abknicken der Cupula ein Aktionspotential erzeugen und an den Gleichgewichtsnerv weiterleiten. Tritt nun eine Drehbeschleunigung, wie sie beispielsweise beim Drehen des Kopfes entsteht, auf, so bleibt die Endolymphe im entsprechenden Gang durch ihre Trägheit stehen und die Cupula knickt ab. Dadurch entsteht ein Aktionspotential. Dieses wird über den Gleichgewichtsnerv (N. vestibularis/N. vestibulocochlearis) an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet.
Unter bestimmten Umständen können kleine Steine, sogenannte Otolithen, sich in den Bogengänge lösen. Diese können in den Gänge herumkullern und das sensible Messsystem durcheinanderbringen. Die Folge sind fehlerhafte Impulse an das Gehirn. Diese lösen selbst bei geringster Bewegung des Kopfes heftigste Schwindelattacken aus. Dieser Zustand wird als benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel bezeichnet. Die Steinchen können sich entweder selbst lösen und aus dem Gehörgang fallen oder durch gezielte Lagerungsmanöver aus dem Bogengang entfernt werden. Oft kommt der Schwindel nach einer gewissen Zeit wieder zurück.
Ein Anfall von benignem paroxysmalen Lagerungsschwindel wird immer durch einen im Bogengang losen Stein und die dazugehörige auslösende Bewegung verursacht. Es gibt verschiedene Umstände, die zu einer vermehrten Loslösung der Steinchen führen. Diese sind:
Ein Anfall von benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel folgt einem typischem Erscheinungsbild. Dabei setzt nach einer bestimmten Drehung oder Bewegung schlagartig ein heftigster Drehschwindel ein. Patienten beschreiben diese Schwindelattacken häufig im Zusammenhang mit:
Die Schwindelattacken gehen mit heftiger Übelkeit bis hin zum Erbrechen einher. Die Patienten nehmen eine Schonhaltung, beispielsweise im Liegen, ein, und nach ein paar Sekunden bis wenigen Minuten lässt die Attacke nach. Anfälle, die länger als zehn Minuten andauern, sind eher auf eine andere Schwindelursache zurückzuführen.
Weiterhin kann es zu einer Stressreaktion mit kalten Schweiß, Blässe und Unwohlsein kommen. Dies ist aber nicht immer der Fall.
Angehörige berichten von ruckartigen und wiederholten Augenbewegungen während des Anfalls. Diese werden als Nystagmus bezeichnet und lassen ebenfalls nach wenigen Sekunden nach.
Ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel geht in der Regel ohne Schmerzen einher. Das Gleichgewichtsorgan ist nicht in der Lage, Schmerzreize an das Gehirn weiterzuleiten. Kopf- oder Ohrenschmerzen in Kombination mit Schwindel treten dagegen eher im Rahmen eines Schädel-Hirn-Traumas auf.
Gelegentlich kommt es aufgrund des Schwindels aber zu Stürzen. Dabei können Prellungen am ganzen Körper oder Knochenbrüche auftreten. Diese können nach dem Ereignis Schmerzen verursachen.
Die Diagnose eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels wird anhand der typischen Symptome gestellt. Dabei legt der Untersucher besonders viel Wert auf die Anamnese, da es nur selten gelingt, einen Anfall in einem geschützten Umfeld zu provozieren. Während der Anamneseerhebung achtet der Untersucher auf:
Bei Unsicherheiten in der Diagnostik kann den Betroffenen ein Lagerungsmanöver beigebracht werden. Werden diese korrekt durchgeführt und enden die Anfälle schlagartig, dann bestätigt dies mit nahezu vollständiger Sicherheit die Diagnose eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels.
Da Schwindel ein komplexes Thema ist, das sich nicht immer eindeutig abgrenzen lässt, kann es vorkommen, dass Patienten noch weitere Untersuchungen erhalten. Hinter Schwindel kann sich auch ein Schlaganfall verbergen, der nicht übersehen werden sollte. Daher werden bei uneindeutigen Beschwerdebildern meist mehr als nur eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung durchgeführt. Dies hängt aber immer vom Beschwerdebild und der vermuteten Ursache ab.
Ultraschall beschreibt ein Untersuchungsverfahren, mit dem in Echtzeit Schnittbilder des Körpers angefertigt werden. Dabei werden Schallwellen, die außerhalb des menschlichen Gehörbereichs liegen, in das Gewebe gesendet und deren Reflektionen gemessen. Ein Computer kann daraus ein zweidimensionales Bild erstellen.
In der Diagnostik eines Lagerungsschwindels kommt es jedoch nicht zum Einsatz. Die betroffenen Strukturen können damit nicht dargestellt werden und es können keine diagnostisch oder therapeutisch relevanten Entscheidungen vom Ultraschall abgeleitet werden.
Beim benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel ist vor allem eine ausführliche Anamnese wichtig.
Bei uneindeutigen Befunden oder nicht eingrenzbarem Schwindel kann eine Ultraschalldiagnostik dennoch sinnvoll sein. Damit können jedoch eher nur andere Verdachtsdiagnosen erhärtet oder widerlegt werden.
Ein Röntgenbild ist ein zweidimensionales Abbild einer Körperstruktur. Dabei werden radioaktive Röntgenstrahlen in den Körper gesendet, die von den Körpergeweben teilweise absorbiert werden. Dadurch kann hinter dem bestrahlten Objekt ein Röntgenbild aufgenommen werden. Das Röntgen eignet sich besonders zur Darstellung von Knochenstrukturen und -frakturen.
In der Schwindeldiagnostik bzw. der Diagnostik eines beningnen paroxysmalen Lagerungsschwindels kommt es jedoch nicht zum Einsatz. Der Erkenntnisgewinn ist hier sehr gering, da die Steinchen damit nicht nachgewiesen werden können.
Das MRT ist ein Verfahren zur Erstellung von Schnittbildern. Es liefert dreidimensionale Informationen über unseren Körper und eventuelle Veränderungen. Dabei wird das physikalische Prinzip der Kernspins in Wasserstoffatomen ausgenutzt. Ein MRT nutzt ein starkes Magnetfeld, um die Wasserstoffatome auszurichten. Durch eingesendete Störimpulse können die verschiedenen Wasseranteile gemessen und als Bild dargestellt werden. So entsteht das typische MRT-Schnittbild. Ein MRT zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr detailreiche Bilder liefert, die kleine Strukturen gut darstellen und Entzündungsprozesse frühzeitig entdecken können. Daher eignet es sich zur Darstellung vieler Erkrankungen im HNO-Bereich.
Im Rahmen eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels kommt es jedoch nicht routinemäßig zum Einsatz. Durch eine gezielte Anamnese kann die Erkrankung meist sehr gut abgegrenzt und diagnostiziert werden. Das MRT ist jedoch in unklaren Schwindelkonstellationen bzw. bei unklarer Symptomatik hilfreich, um andere Verdachtsdiagnosen auszuschließen oder zu bestätigen wie etwa ein Akustikusneurinom. Es handelt sich beim MRT um eine sehr aufwändige und kostenintensive Untersuchung. Ob es in Ihrem Fall notwendig ist, sollte von einem erfahrenen HNO-Facharzt entschieden werden.
Das A und O in der Behandlung eines benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels sind die Lagerungsmanöver, die zur Lockerung und Positionierung der Steine aus dem Bogengang durchgeführt werden können. Durch diese Manöver lösen und entfernen sich ein Großteil aller Steinchen aus den Bogengängen, was ein erneutes Auftreten verhindert. Zwar können sich nach mehreren Wochen oder Monaten erneut Steinchen lösen, doch auch diese können meist durch die Manöver wieder richitg positioniert werden. Die Betroffenen gewöhnen sich in der Regel schnell an die Lagerungsmanöver und wenden diese auch bei rezidivierenden Schwindelattacken selbstständig an, um diese zu beheben.
Je nach betroffenem Bogengang gibt es verschiedene Lagerungsmanöver. Idealerweise sollte der betroffene Bogengang bei der Diagnosestellung durch den Facharzt ermittelt werden, damit er ein entsprechendes Lagerungsmanöver empfehlen kann. In der Regel ist immer derselbe Bogengang betroffen, sodass die Betroffenen bei erneutem Auftreten der Schwindelattacke das selbe Manöver anwenden können. Für den hinteren Bogengang gibt es das Epley- und das Semont-Manöver, für den horizontalen Bogengang das Barbecue- und das Gufoni-Manöver.
Das Epley-Manöver:
Wenn die Manöver nicht helfen, sollten Sie erneut Ihren behandelnden Arzt aufsuchen. Dieser kann die Manöver erneut sauber durchführen oder andere Therapiemöglichkeiten in Erwägung ziehen.
Typisch für den benignen Lagerungsschwindel sind kurze und plötzlich einsetzende Schwindelattacken, die in der Regel nicht länger als ein bis zwei Minuten andauern. Oft treten jedoch mehrere dieser Attacken an einem Tag oder innerhalb einer Woche auf. Grund hierfür ist, dass der Stein oder die Steine nicht vollständig aus dem Bogengang herausfallen. Dadurch können sie sich bei erneuten Bewegungen wieder festsetzen und zu einer neuen Attacke führen. Meist hilft erst das korrekte Durchführen der Lagerungsmanöver, um die Steine aus dem Bogengang zu entfernen und das Problem langfristig zu lösen.
Wir beobachten jedoch, dass Patienten auch nach dem korrekten Lösen der Steine erneut Rezidive erleiden, wenn sich ein neuer Stein im Bogengang löst. Dieser kann in vielen Fällen ebenfalls durch ein erneutes Lagerungsmanöver entfernt werden. Die Patienten sind von der Erkrankung nicht selten lebenslang betroffen, lernen aber schnell, sich selbst durch die Manöver zu helfen.
In einer akuten Phase von Schwindelattacken sind sie arbeitsunfähig. Der Schwindel, die einhergehende Übelkeit und das plötzliche und unangekündigte Auftreten der Attacken belasten die Betroffenen meist sehr. In der Regel werden sie dann für den Rest der Woche krankgeschrieben und es werden Lagerungsmanöver durchgeführt, damit sich der festgesetzte Stein löst und aus dem Bogengang verschwindet. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten Sie bei Ihrem Hausarzt.
Wenn die Lagerungsmanöver wirken und Sie sich sofort wieder in der Lage fühlen, die Arbeit fortzusetzen, können Sie auch weiterarbeiten. Dies erfordert jedoch eine gewisse Erfahrung und Einschätzung der eigenen Erkrankung.